Schreckschusswaffe

Schreckschusswaffensind meist Nachbildungen von echtenPistolenundRevolvern, die im Gegensatz zu echten Schusswaffen keineProjektileverschieen, sondern verschiedene Arten vonReizgas- undKartuschenmunition. Sie besitzen einen sogenannten „Gaslauf“ mit Sperren oder gleichwertigen Vorrichtungen, die ein Verschieen von Projektilen verhindern.

Schreckschusswaffen knnen auch pyrotechnischeMunitionverschieen. Hierunter fallen z.B. Leuchtsignale oder sogenannte Vogelschreckpatronen (Signalpatronen mitBlitzknallsatz, in Deutschland munitionserwerbsscheinpflichtig und daher nicht frei verkuflich).

Funktionsprinzip

Schreckschussmunition erzeugt einen sehr lauten Knall. Beim Abfeuern von Reizgasmunition schiet Gas in Verbindung mit einem Knall aus dem Lauf, das den Angreifer hnlich wie einPfefferspraystoppen soll. Dabei unterscheidet man zwischen CN- (Chloracetophenon), CS- (Chlorbenzylidenmalodinitril) und Pfeffer-Reizgaspatronen (Nonivamid), ein synthetisches Gegenstck zum im Pfefferspray verwendeten natrlichenOleoresin Capsicum. Die Reichweite und Wirkungsweise hngt vomKaliberund der Patronenfllung ab.

Alle Schreckschusswaffen haben eine sogenannte Laufsperre, die beiSelbstladernden ntigen Rckstau fr die Bewegung desVerschlusseserzeugen soll. Diese Sperre soll ebenfalls verhindern, dass zum einenGeschosse„vorgeladen“ werden knnen, und zum anderen, dass scharfe Patronen aus diesen Waffen abgefeuert werden knnen. Schreckschusswaffen bestehen in der Regel grtenteils ausZinkdruckgussund besitzen oftSollbruchstellen, die ein illegales Umbauen dieser Waffen auf scharfe Munition nahezu unmglich machen.

Das Abfeuern von Patronen aus nchster Nhe auf den Menschen kann erhebliche Verletzungen hervorrufen. Die beim Abfeuern entstehende Druckwirkung ist so hoch, dass etwa ein auf dem Kopf aufgesetzter Schuss tdliche Folgen haben kann.

Kaliber

Folgende Kaliber sind oder waren bei Schreckschusspistolen und -revolvern blich:

  • .22 lang Knall (Es werden keine Waffen mehr in diesem Kaliber produziert, bis auf die Rhm RG 600.)
  • .315 Knall
  • .320 kurz Knall
  • .35Knall (Es werden keine Waffen mehr in diesem Kaliber produziert.)
  • .45kurz Knall (Es werden keine Waffen mehr in diesem Kaliber produziert.)
  • 2mm Berloque
  • 6mmFlobertKnall (zur Selbstverteidigung ungeeignet, obwohl auch als Reizstoffpatrone erhltlich)
  • 8mm Knall (Waffen mit diesem Kaliber erhalten in Deutschland keine Zulassung mehr.)
  • 9mm P.A.Knall(Farbkodierung: Grn=Knall, Gelb=Reizgas, Rot/Braun=Pfeffer)
  • 9mm R Knall (.380 R)

Rechtliche Situation

In Deutschland knnen legale Schreckschusswaffen amPrfsiegelderPhysikalisch-Technischen Bundesanstalt(PTB) und dem Kaliber, das auf dem Verschluss eingeprgt ist, erkannt werden. Schreckschusswaffen ohne PTB-Siegel gelten als scharfe Schusswaffen und sind somit erlaubnispflichtig; ihr unerlaubter Besitz ist strafbar. Das Fhren von Schreckschusswaffen erfordert auerhalb der eigenen Wohnung, Geschftsrumen oder desbefriedeten Besitztumsseit dem 1. April 2003 einenKleinen Waffenschein. Der reine Besitz, Erwerb und Transport dieser Waffen ist jedoch ab dem Vollenden des 18. Lebensjahres gestattet. Das Schieen mit einer Schreckschusspistole bleibt trotz eventuellem Vorhandensein des Kleinen Waffenscheins nur auf dem befriedeten Besitztum zulssig, wenn dabei keine Lrmbelstigung erzeugt wird. PTB-Pistolen und -Revolver fallen unter das deutsche Waffengesetz. Generell ist das Schieen immer genehmigungspflichtig. Ausnahmen sind jedoch:

Ausnahmen gem 12 Abs. 4 WaffG-neu:

a) Notwehr, Notstand

b) mit Signalwaffen bei Not- und Rettungsbungen

c) mit Schuwaffen, aus denen nur Kartuschenmunition verschossen werden kann

(1) durch Mitwirkende an Theaterauffhrungen und diesen gleich zu achtende Vorfhrungen,

(2) zum Vertreiben von Vgeln in landwirtschaftlichen Betrieben

d) im befriedeten Besitztum – mit Genehmigung des Inhabers des Hausrechtes – mit Schuwaffen, aus denen nur Kartuschenmunition verschossen werden kann,

e) mit Schreckschuss- oder Signalwaffen zur Abgabe von Start- oder Beendigungszeichen im Auftrag der Veranstalter bei Sportveranstaltungen, wenn optische oder akustische Signalgebung erforderlich ist.

Das weit verbreitete Schieen zu Silvester unterscheidet sich nicht von anderen Situationen. Es ist nur auf dem eigenen, befriedeten Besitztum erlaubt, oder auf einem anderen Besitztum, mit Genehmigung des Inhabers des Hausrechtes (s.o.). Die oft eingesetzte pyrotechnische Munition darf das Besitztum jedoch nicht verlassen. Der Transport zum Schieort ist jedoch erlaubnisfrei, sofern die Waffe in nicht-schiebereitem Zustand verschlossen transportiert wird.

Landwirtschaftliche Betriebe im Sinne des 12 Abs. 4 lit. c Nr. 2 WaffG umfassen nach herrschender Auffassung auch die zu den Betrieben gehrenden cker und Felder, da in der Regel insbesondere hier ein Bedrfnis fr das Vertreiben von Vgeln bestehen wird. Nach einer Entscheidung der StaatsanwaltschaftKarlsruheaus dem Jahre 2012 ist das Schieen in diesen Fllen auch dann erlaubt, wenn neben Vgeln gleichzeitig andere Tiere vertrieben werden sollen, so etwa wenn ein Bauer auf seinem Acker mit einer Schreckschuwaffe schiet, um Hasen und Fasane zu vertreiben. Nicht erlaubt wre hingegen das Schieen, wenn damit im Einzelfall nur Hasen (und nicht gleichzeitig auch Fasane) vertrieben werden sollen.

Quelle: Wikipedia